Schöne Landschaftsbilder vor der eigenen Haustür

Affenschlucht Winterthur

Wer sich die Portfolios professioneller Landschaftsfotografen ansieht, wird mit einer Flut von eindrucksvollen Aufnahmen der schönsten Orte der Welt belohnt. Atemberaubende Fotos von Island, den Wäldern Kanadas oder den Polarlichtern in Norwegen sind bloss ein Teil dieser unglaublichen Vielfalt. Doch gerade als Hobbyfotograf haben diese Eindrücke ihre Schattenseite: Gerne würde man ebenfalls solche herausragenden Bilder erstellen – doch für eine Reise zu diesen traumhaft schönen Orten fehlt meist die Zeit und das Budget. 

Gerade für Anfänger gestaltet sich die Motivsuche oft schwer und schnell kann dies zu einer gewissen Frustration führen. Natürlich können die Blümchen aus dem Nachbarsgarten oder der nächste Feldweg nicht mit dem Panorama eines isländischen Wasserfalls mithalten, selbst wenn die Aufnahme noch so sorgfältig durchgeführt und geplant wird. Dennoch sollte man nicht das Handtuch werfen: Die Welt ist voller toller Motive – auch vor der eigenen Haustür. Ein paar Dinge gilt es dabei zu beachten und schon gestaltet sich die Suche nach tollen Fotospots viel angenehmer und erfolgreicher.

 

Das richtige Wetter zur richtigen Tageszeit


Oft findet man Bilder von eigentlich schönen Motiven, die dennoch kaum zu überzeugen vermögen: Eine Schweizer Berglandschaft am hellen Nachmittag, aufgenommen auf einem kleinen Fotoausflug. Als erstes gilt es zu lernen, dass sich die Bilder der Profis eben nicht bloss durch die unglaublich tollen Motive unterscheiden: Das Wetter und das Licht spielen stets eine entscheidende Rolle. Wer sich darauf achtet, erkennt schnell ein gewisses Muster: Eine Landschaft wirkt während der letzten Sonnenstrahlen viel plastischer und verträumter – der Effekt ist ein ganz anderer. Aufziehende Wolken bringen nicht bloss Stürme sondern auch eine unglaublich dramatische Bildwirkung. All dies kann das grelle Nachmittagslicht an einem schönen Sonnentag nicht bieten: Wir empfinden dieses Wetter wohl als toll, doch das Licht ist hart und die Farben sind nicht stimmig. Versuche also deine Spots zur richtigen Zeit aufzusuchen, etwa bei Sonnenaufgang oder –Untergang oder während der sogenannten blauen Stunde: Der Zeitraum zwischen dem Sonnenuntergang und der Nacht. Wer etwas versierter ist, sollte sich definitiv an Aufnahmen der Milchstrasse versuchen – so wird der einfache Feldweg zur stimmigen Silhouette unter dem atemberaubenden Sternenhimmel.

 

Hardbrücke Zürich Sonnenuntergang

 

Wie finde ich schöne Motive in meiner Umgebung


Gerade die Schweiz gehört doch ebenfalls zu den schönen Orten dieser Welt. Traumhafte Berglandschaften sind meist nicht allzu weit von der eigenen Haustür entfernt und bieten eine traumhafte Kulisse für besonders eindrückliche Landschaftsaufnahmen. Doch es geht auch einfacher – nicht immer muss ein Bild mit einer mehrstündigen Bergwanderung einhergehen: Schöne Motive finden sich überall. Es gilt lediglich, sie zu finden. Das geht über mehrere Kanäle.

 

1. Social Media


Seht euch nicht bloss die Portfolios von sehr bekannten Fotografen an: Das Internet – insbesondere Facebook – ist voller Communities von teils sehr talentierten Hobbyfotografen. Welche Motive fotografieren diese? Stellt euch eine kleine Sammlung von Fotografen zusammen, die euch in dieser Hinsicht inspirieren und folgt ihren Seiten oder Portfolios – oftmals sind diese auch bereit, Auskunft über ihre Motivsuche zu geben. Ein weiterer Weg zur Inspiration sind die unzähligen Facebook Gruppen, die sich oftmals eben genau durch den Bezug zu bestimmten Regionen voneinander unterscheiden – so gibt es unzählige Gruppen zur Fotografie innerhalb der Schweiz, auf denen täglich tolle Bilder zu sehen sind. Weiter empfiehlt es sich, seinen Wohnort oder umliegende Gemeinden und Städte als Suchbegriff auf diversen Fotoplattformen zu nutzen: Diese Vorgehensweise kann zu erstaunlichen Ergebnissen führen – so habe ich etwa dieses unglaubliche Motiv in meiner unmittelbaren Umgebung durch eine Suche auf fotocommunity.de entdeckt:

Aarburg im Winter


Weitere empfehlenswerte Plattformen wären etwa 500px.com und flickr. Die Google Bildersuche liefert leider fotografisch oft eher dürftige Ergebnisse, kann aber ebenfalls einen Anhaltspunkt bieten.


2. Fragt eure Freunde und Bekannten


Eigentlich liegt dieser Ratschlag relativ nahe, aber wie viele Leute haben tatsächlich aktiv ihren Bekanntenkreis auf dieses Thema angesprochen? Gerade wer vielleicht erst kürzlich umgezogen ist, kann mit hilfreichen neuen Informationen rechnen. Wo gibt es in der näheren Umgebung etwa tolle Wasserfälle, Aussichtspunkte oder Wälder? Kaum jemand weiss das besser, als die Anwohner. Ausserdem lässt sich gerade auf diesem Weg eine erste kleine Fan Base aufbauen, denn wer sieht nicht gerne ein tolles Foto aus der eigenen vertrauten Umgebung, das man sich in dieser Schönheit nie hätte erträumen können? Der Grand Canyon wurde schon millionenfach Fotografiert – der Wasserfall um die Ecke bei weitem nicht, und schon gar nicht von guten Landschaftsfotografen.

Winterthur Affenschlucht Wasserfall

3. Nutzt Online Karten und Apps

Dieser Tipp eignet sich hervorragend für die Motivsuche auf Reisen, aber auch zuhause in der vertrauten Umgebung leisten diese Tools eine hervorragende Hilfe. Die bekannte Fotografenplattform 500px.com bietet etwa auch eine Kartenfunktiondie vielen nicht bekannt ist. Wie gewohnt kann der Nutzer die Umgebung bequem am Rechner erkunden und sieht dabei entsprechende Vorschaubilder zu Fotos, die an diesen Orten geschossen und später auf der Plattform hochgeladen wurden. 

Weiter können Hilfsmittel wie Google Street View hinzugezogen werden, was gerade in urbaneren Regionen einen ersten Eindruck der Umgebung erlaubt. Besonders hilfreich sind Apps und Homepages, welche die Karten um Markierungen ergänzen, die den Sonnenaufgang und –Untergang zeigen. Zusätzlich gibt es für werdende Astrofotografen tolle Apps, die eine genaue Orientierung am Sternenhimmel erlauben und zusätzlich den Standort der Milchstrasse bereits im Voraus ersichtlich machen – ich persönlich nutze SkyView Free auf einem Android System. Mit der Hilfe dieser Tools lässt sich der nächste Fotoausflug gezielt planen. Selbst ansonsten eher langweilige Motive verwandeln sich in echte Eyecatcher, sollten die Sonne, der Mond oder die Milchstrasse gerade vorteilhaft am Himmel stehen.

Milchstrasse Stansstad


Fazit

Tolle Motive erfordern nicht zwingend eine Reise um die halbe Welt – oftmals sind sie näher, als man denkt. Zudem sind gerade diese Motive im unmittelbaren Umfeld diejenigen, die noch nicht unzählige Male in toller Qualität fotografiert wurden. Dies sollte als Ansporn verstanden werden: Plant beispielsweise grössere Bildserien, die eure Umgebung im besten Licht und in bester Qualität zeigen. So könnt ihr etwa eure Wohngemeinde aus unterschiedlichsten Perspektiven in ein interessantes Licht rücken oder die Aussichtspunkte in eurem Wohnkanton besuchen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und wenn derartige Projekte entsprechend gut umgesetzt werden, könnt ihr mit einer tollen Resonanz rechnen. Nicht zuletzt wird eine geniale Aufnahme der nächsten lokalen Sehenswürdigkeit an eurer Wand möglicherweise für mehr Gesprächsstoff sorgen, als eine professionelle Landschaftsaufnahme einer traumhaften Südseeinsel – einen Versuch ist es zumindest wert!

 

Dies war ein Gasbeitrag von Severin Pomsel. Seine Bilder könnte ihr bei uns hier kaufen: Severin Pomsel bei Bilder-24.ch

Mehr über ihn und seine Fotografie gibt es auch auf seiner Seite: www.severinpomsel.ch



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