Panoramaaufnahmen in Photoshop erstellen

Fertige Panoramaaufnahme

Ein Instrument das ich in der Nachbearbeitung von Landschaftsaufnahmen sehr oft verwende, ist Photoshops Panoramafunktion. Mit ihrer Hilfe lassen sich mehrere Einzelaufnahmen kinderleicht überblenden wodurch schnell eindrückliche Resultate zu erzielen sind. Vor der genauen Anleitung möchte ich allerdings noch einige Worte zur Wirkung einer Panoramaaufnahme loswerden: Wann macht es Sinn, eine solche zu erstellen? Worin besteht der Unterschied zu einer kleineren Brennweite? Was sind die Risiken? 

 

Mehr aufs Bild kriegen

Es scheint naheliegend, dann ein Panorama zu erstellen, wenn man mit anderen Mitteln nicht die komplette Szene in einem Bild verewigen kann. So habe ich mich vor der Anschaffung eines Weitwinkelobjektivs besonders oft für diese Methode entschieden. Aber Vorsicht: Ein Panorama hat eine völlig andere Wirkung als eine weitwinklige Aufnahme. Wer die Unterschiede versteht, kann auf dieser Grundlage entscheiden, für welchen Weg er sich entscheiden möchte. 

Wenn ich eine Aufnahme mit einer Brennweite von 16mm erstelle und danach den Bildschnitt etwas anpasse (z.B. im Verhältnis 1:2), so unterscheidet sich dieses Bild noch immer von einer Panoramaaufnahme bei 50mm – selbst wenn beide Aufnahmen dieselben Bildelemente enthalten. Der Grund liegt in der unterschiedlichen Brennweite. Jeder, der mit Weitwinkelobjektiven arbeitet, kennt und schätzt die stark perspektivische Wirkung. Der Vordergrund ist gross und präsent, während der Betrachter über die Perspektive besonders gut ins Bild geführt werden kann. Elemente im Hintergrund werden dagegen verhältnissmässig klein abgebildet. Je länger die Brennweite ist desto stärker wird das Bild wiederum zusammengestaucht: Die Tiefenwirkung verschwindet und die Grössenverhältnisse zwischen Vordergrund und Hintergrund gleichen sich an. Befindet sich mein Hauptmotiv also im Hintergrund, so kann es Sinn machen, sich für ein Panorama zu entscheiden und ihm durch die Grösse mehr Gewicht zu verleihen. Andersrum kann es Sinn machen, ein Element im Vordergrund durch die Wahl eines Weitwinkelobjektivs zu betonen. Nicht zuletzt können beide Methoden kombiniert werden um einen gewaltigen Bildwinkel, wenn nicht gar 360° abzubilden.

Weiter gilt es zu beachten, dass die Schärfentiefe mit zunehmender Brennweite abnimmt: Ggf. muss eine kleinere Blende gewählt werden, als mit einem Weitwinkelobjektiv. Ausserdem kann es zu relativ unschönen Verzerrungen kommen bzw. das Überblenden kann am sogenannten Parallaxenfehler scheitern. Da ich persönlich auch ohne einem speziellen Panoramastativ gute Resultate erziele, möchte ich darauf nicht weiter eingehen. Insbesondere bei Innenaufnahmen kann dies aber durchaus problematisch werden, weshalb ich jedem eigene Recherchen und Versuche nahelegen möchte. 

 

Wie fotografiere ich ein Panorama? 

Kommen wir nun zum fotografischen Teil. Ich entscheide mich oft für Freihandaufnahmen, wenn die Lichtverhältnisse dies zulassen. Ansonsten verwende ich ein handelsübliches Stativ mit Drei-Weg-Kopf. Wie gesagt, verfüge ich über kein spezielles Panoramastativ. Die heutige Software kann diese Bilder in den meisten Fällen gut verarbeiten. Dennoch empfehle ich, sich mit diesem Thema ebenfalls auseinanderzusetzen. 

Wenn die Situation es zulässt, erstelle ich die einzelnen Aufnahmen im Hochformat. So erziele ich eine noch höhere Auflösung des finalen Bilds und kriege noch mehr auf die Aufnahme. Zuschneiden kann ich das Bild später noch immer: Ein toller Nebeneffekt der gewaltigen Anzahl Pixel. Nun passe ich die Belichtung im manuellen Modus an die kritischste Stelle des Bildes an. In der Regel handelt es sich dabei um den hellsten Teil der Panoramaaufnahme (z.B. der Sonnenuntergang). Dieser soll nicht gnadenlos ausbrennen, wobei in diesem Fall eine leichte Überbelichtung durchaus gewollt ist. Habe ich die Einstellungen und den Fokus gewählt, so deaktiviere ich den Autofokus und fasse nichts mehr an. Dann fotografiere ich mein Panorama Bild für Bild im Hochformat von links nach rechts. Die Bilder überlappen sich dabei jeweils zwischen 25 - 50 %. Durch die identischen Einstellungen bei allen Aufnahmen, muss ich nicht mit bösen Überraschungen rechnen, wie etwa extremen Helligkeitsunterschieden zwischen den Bildern. Dennoch empfehle ich, im RAW Format zu fotografieren, um allfällige Unterschiede (auch im Weissabgleich) korrigieren zu können und das Maximum aus den Aufnahmen rauszuholen.

 

Lightroom und Photoshop

Lightroom bietet seit der Version 6 / CC eine hauseigene Panoramafunktion. Diese bietet den Vorteil, dass das Panorama als DNG File ausgegeben wird (Adobes RAW Format). Dieses bietet den maximalen Spielraum in der Nachbearbeitung. Weiter gibt es einige Tools auf dem Markt, die eine deutlich bessere Leistung erbringen: So ist etwa PTGui für so manchen Fotografen das Mittel der Wahl. In diesem Beitrag möchte ich allerdings den klassischen Weg via Photoshop erläutern.

 

Lightroom Anleitung Panoramaaufnahme

Nachdem also die RAW Dateien wunschgemäss (und identisch) bearbeitet wurden, geht’s an die Arbeit. Die Bilder werden in Lightroom markiert und über Rechtsklick -> Bearbeiten in -> In Photoshop zu Panoramabild zusammenfügen an Photoshop weitergegeben. 

 

Photomerge in Photoshop Panorama erstellen

Hier stehen wiederum diverse Möglichkeiten zur Auswahl. Wenn ich bloss 2 – 4 Bilder zu einem Panorama zusammenfügen möchte, entscheide ich mich i.d.R. für Automatisch. Bei einer grösseren Anzahl Bilder habe ich mit Zylindrisch gute Erfahrungen gemacht. Es lohnt sich, verschiedene Optionen auszuprobieren, bis das beste Resultat erzielt wurde. Die Option Bilder zusammen überblenden sollte aktiv sein – auf eine Korrektur der geometrischen Verzerrung kann von Fall zu Fall verzichtet werden: In meinem Beispiel führte dies etwa dazu, dass das Panorama nicht korrekt zusammengefügt wurde, weshalb ich die Option deaktiviert habe. Die Vignettierungsentfernung geschieht im Idealfall bereits in der RAW Bearbeitung und bleibt somit deaktiviert – dies führt in aller Regel zu besseren Ergebnissen. Wie dem Dialogfeld zu entnehmen ist, können die Bilder auch direkt in Photoshop geladen werden, sollte Lightroom nicht zur Verfügung stehen. Die Panoramafunktion kann in diesem Fall unter Datei -> Automatisieren -> Photomerge gefunden werden. 

 

Vorläufiges Ergebnis Photomerge Panorama

Nun kann es je nach Performance des Rechners eine Weile dauern, bis uns Photoshop mit einem hochauflösenden Panorama belohnt. Keine Angst vor den gestrichelten, weissen Linien, die im Bild auftauchen können! Markiert alle Ebenen und führt sie mit Ctrl + E (Windows) bzw. Cmd + E (Mac) zusammen, um sie verschwinden zu lassen. Nun kann das Bild weiter bearbeitet und zugeschnitten werden. Gekrümmte Linien können etwa über den Filter „Adaptive Weitwinkelkorrektur“ korrigiert werden. Dies würde aber den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Entsprechende Anleitungen finden sich ohne weiteres online. 

Fertige Panoramaaufnahme

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spass beim Experimentieren. Ihr werdet mit extrem hochauflösenden Bildern belohnt, die sich dadurch natürlich hervorragend für grosse Prints auf Leinwänden oder anderen Materialien eignen. Wo ist euer Limit? Online finden sich etwa Bilder aus mehreren tausend Einzelaufnahmen, die einen tollen Eindruck über die Möglichkeiten dieser Methode vermitteln. 

Ein gutes neues Jahr und viel Erfolg!

Dies war ein Gasbeitrag von Severin Pomsel. Seine Bilder könnte ihr bei uns hier kaufen: Severin Pomsel bei Bilder-24.ch

Mehr über ihn und seine Fotografie gibt es auch auf seiner Seite: www.severinpomsel.ch



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