Fotografieren im Winter

Winteraufnahme Aarburg

Der Winter ist eine tolle Jahreszeit um zu fotografieren. Der Schnee hüllt die Landschaft in ein weisses Gewand und lässt sie in einem ganz anderen Licht erstrahlen. Dabei bieten sich Möglichkeiten zu Aufnahmen, die eben nicht ganz so alltäglich sind wie die tausenden im Internet. Im Winter kann selbst ein vermeintlich totfotografiertes Motiv erfrischend anders und einzigartig wirken.

Beim Fotografieren in der kalten Jahreszeit gibt es allerdings einige Punkte zu beachten. Diese reichen von den Kameraeinstellungen über die Planung der Fototour bis hin zur Pflege des Equipments. Einige Punkte möchte ich in diesem Beitrag ansprechen und mein Wissen sowie meine Meinung mit euch teilen.

 

Die Vorbereitung

Bei der Vorbereitung sind einige Dinge zu beachten. Im Sommer ist die Kamera schnell geschnappt und im Rucksack verstaut: los geht’s! Im Winter bietet es sich an, seine Ausflüge etwas sorgfältiger vorzubereiten. Zieht euch besser etwas zu warm an: Während ihr geht  ist euch vielleicht noch warm genug, aber wenn das Stativ aufgebaut und die Filter montiert werden, vergehen doch mehrere Minuten. Dazu kommt die Suche nach der richtigen Komposition und Belichtung sowie unter Umständen das Warten auf das richtige Licht. Ohne Bewegung kühlt der Körper schnell aus: Zieht euch also lieber etwas zu warm an!

Achtet darauf, dass ihr eure Kamera mit euren Handschuhen bedienen könnt. Eine grosse Spiegelreflexkamera lässt sich mit dickeren Handschuhen bedienen, als eine kleinere spiegellose Systemkamera. Testet zuhause in der Wärme, ob ihr alle notwendigen Einstellungen vornehmen könnt: Vielleicht bieten sich dünnere Handschuhe an (oder ihr habt eine Ausrede, um euch eine grössere Kamera zu kaufen.)

 

Welchen Gefahren setze ich mein Equipment aus?

Als Einsteiger hatte ich noch grossen Respekt vor meinem ersten Winter als Fotograf. Kann ich mein Equipment überhaupt gefahrlos transportieren und nutzen? Brauche ich zusätzliche Ausrüstung zum Schutz meiner Kamera? Wie sieht es mit dem Wechsel von Wärme und Kälte aus? Bildet sich Kondenswasser und kann es mein Equipment beschädigen?

An dieser Stelle möchte ich gleich klarstellen, dass man sich nicht zu viele Sorgen zu machen braucht. Während Smartphones im Vergleich zu alten Nokias so sensibel sind wie Porzellan, so sind Spiegelreflexkameras extrem robust und kommen selbst unter extremsten Bedingungen zum Einsatz. Man denke an den Landschaftsfotografen in Island oder an Wildlife Fotografen auf der Suche nach Polarbären. Dagegen ist der Winter in unseren Breitengraden relativ harmlos. Einige Dinge gibt es jedoch zu beachten:

Wer Brillenträger ist, weiss, dass Glas schnell beschlägt, wenn man aus der Kälte in einen warmen Raum tritt. Auch Kameras sind davon natürlich betroffen – allerdings sind sie, wie bereits erwähnt, nicht aus Porzellan. Lasst die Kamera am besten beim Wechsel von warm zu kalt und umgekehrt einfach einige Zeit in der Tasche. So ist sie nicht einem zu abrupten Temperaturwechsel ausgesetzt und kann sich langsamer abkühlen oder aufwärmen. Plastiktüten oder gar übertrieben teure Unterwassergehäuse (ja, Internetforen liefern allerlei interessante Vorschläge) sind meiner Meinung nach nicht notwendig. Mir persönlich ist kein Schaden bekannt, der durch die einfache Verwendung der Kamera im Winter entstanden wäre – weder bei mir noch bei anderen Fotografen.

Ein Punkt den es definitiv zu beachten gilt ist die Akkuleistung: Die Kälte wirkt sich stark negativ auf die Akkulaufzeit aus. Es empfiehlt sich, den Akku vor der Tour frisch aufzuladen und wenn möglich einen Ersatz mitzunehmen. 

Sollte euch die Kamera runterfallen oder auf sonstige Weise mit Schnee in Kontakt kommen, ist natürlich Vorsicht geboten: Hebt die Kamera so schnell wie möglich auf und fasst sie dabei nicht zu lange an. Wenn der Schnee schmilzt kann das für die Kamera kritisch werden. Versucht den Schnee so gut wie möglich wegzuwischen, bevor genau das passiert. Besonders das Bajonett und die Anschlüsse sollten frei von Schnee sein, bevor ihr wieder einen wärmeren Raum betretet. Am besten lasst ihr die Kamera danach über Nacht trocknen.

 

Wie belichte ich meine Bilder richtig?

Sicherlich habt ihr euch schon mal gefragt, wie die Belichtungsmessung einer Kamera funktioniert. Wann geht eine Kamera davon aus, dass ein Bild eben nicht zu dunkel und nicht zu hell ist, sondern eben korrekt belichtet? 

Wenn lediglich die Helligkeitsinformationen betrachtet werden, erhalten wir ein Spektrum von Schwarz bis Weiss. Die Belichtungsmessung zielt auf ein Bild mit einer durchschnittlichen Helligkeit, die 18% Grau entspricht – was dieser Wert genau bedeutet würde den Rahmen sprengen und tut weiter auch nicht viel zur Sache. Fakt ist: Schnee ist weiss und nicht 18% grau. Wenn eine Szene keine durchschnittliche Helligkeitsverteilung aufweist, sondern eben besonders hell (Schnee!) oder dunkel (schwarze Wand) ist, neigt die Kamera zur Unter- oder Überbelichtung. Im Falle einer Schneelandschaft muss der Automatik also auf die Sprünge geholfen werden. Ich persönlich nutze gerne eine Belichtungskorrektur von +0.7 oder +1. Wo ihr diese einstellen könnt, erfahrt ihr in eurem jeweiligen Kamerahandbuch. Generell sollte das Histogramm im Auge behalten und die Überbelichtungswarnung aktiviert werden – wenn ein strahlend blauer Himmel oder ein paar dunklere Elemente dazu kommen, kann es sein, dass die Kamera das Bild wieder überbelichtet. Grundsätzlich empfiehlt es sich, im RAW Format zu fotografieren – wenn der Schnee vielleicht mal ein wenig zu grau ausfällt, habt ihr so noch ausreichend Reserve um den Fehler zu korrigieren. Wer allerdings auf das JPG Format setzt, muss deutlich vorsichtiger an die Sache rangehen.

Bilder Vergleich Schnee Belichtung

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spass beim Ausprobieren – Eis und Schnee sind nun definitiv kein Grund mehr, die Kamera im Schrank zu lassen. Ganz im Gegenteil!

Dies war ein Gasbeitrag von Severin Pomsel. Seine Bilder könnte ihr bei uns hier kaufen: Severin Pomsel bei Bilder-24.ch

Mehr über ihn und seine Fotografie gibt es auch auf seiner Seite: www.severinpomsel.ch



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